Seitenkopf von Struppi & Co - Tierärztliche Gemeinschaftspraxis für Verhaltenstherapie
Zwei Pferde (oder Esel) im Schnee

Pferdeverhalten

Pferde werden heute, auch wenn sie früher reine Nutztiere waren und nach wie vor nicht direkt mit „ihren“ Menschen zusammenleben, zu den Haustieren gerechnet. Die meisten Pferdebesitzer bauen zu ihren Pferden ein sehr persönliches Verhältnis auf, welches auch auf Gegenseitigkeit beruht. Pferde sind hochsoziale Tiere die enge Bindungen mit anderen Tierarten (zum Beispiel dem Menschen) eingehen können. Sie haben ein breites Repertoire an sozialen Verhaltensweisen und variationsreiche Kommunikationsformen.

Genau aus diesem Grund brauchen sie aber auch den Kontakt zu anderen Pferden. So schön für ein Pferd die Kommunikation mit einem „Sozialpartner“ Mensch ist, den Kontakt mit Pferden kann dieser nicht ersetzen. In der freien Natur leben Pferde meist in Familiengruppen. Ein Hengst (manchmal auch zwei) lebt mit seinen Stuten und den weiblichen Nachkommen zusammen. Die männlichen Nachkommen verlassen meist um die Pubertät herum die Familie und schließen sich zu Hengstgruppen zusammen. Auch Hengste in Menschenhand sollten deshalb immer in einer kleinen Gruppe gehalten werden.

Damit ein Pferd problemlos mit anderen Pferden zusammen gehalten werden kann, muss es als Fohlen und Jährling gut an Pferde und Menschen sozialisiert werden. Dies geschieht automatisch in von Menschen gemanagten Pferdegruppen – besonders wenn der Mensch sich als freundlicher Interaktionspartner anbietet. Dabei kann man auch problemlos an der Erziehung arbeiten. Wichtig ist der Kontakt zu verschiedenen Menschentypen.
Ein Fohlen sollte nicht zu früh und nicht abrupt von der Mutter getrennt werden. Ein langsames Abstillen, wie es in der Natur passieren würde, ist besser. Pferde die zu früh und zu drastisch abgestillt wurden, fallen später oft mit Verhaltensproblemen auf. Sie sind häufig nicht besonders frustrationstolerant, sind schreckhaft, stressanfällig und weniger sozial kompetent.

In der Sozialisationsphase muss das Pferd auch an den Alltag herangeführt werden, den es beim Menschen erwartet. Pferde sind Fluchttiere – Stress, Angst oder einfach schon Erregung setzen sie in hektische Bewegung bis Flucht um. Je besser ein Pferd als Fohlen an Alltagssituationen gewöhnt wurde, desto weniger hektisch, angstanfällig und fluchtbereit ist es später.

Dies ist eine Liste der häufigsten Verhaltensprobleme oder Verhaltensstörungen, mit denen wir es bei Pferden zu tun haben:
  • Angst (vor Situationen, Gegenständen, Geräuschen, Menschen, anderen Tieren, generell unbekannten Dingen).
  • Aggressives Verhalten (gegen bekannte und fremde Menschen, gegen andere Pferde, als umgerichtet aggressives Verhalten, bei Manipulationen).
  • Zwangsverhalten (Koppen, Weben, Headshaking).
  • Verladeprobleme.
  • Unartigkeiten wie Schlagen mit dem Huf, Fressen unbekömmlicher Dinge, Steigen, sich gegen den Reiters wehren.